Nahaufnahme eines ECMO-Gerätes am Patientenbett

ECMO – die künstliche Lunge

Patienten mit akutem Lungenversagen werden zunächst künstlich beatmet. Wenn die Lungen den zugeführten Sauerstoff allerdings nicht mehr in ausreichender Menge ins Blut abgeben können, muss das Blut außerhalb des Körpers mit Sauerstoff befüllt werden.

Fachsprachlich spricht man von der extrakorporalen Membranoxygenierung (ECMO); vergleichbare Verfahren sind ECCO2, ELA oder ECLA. Das ARDS- und ECMO-Zentrum hat damit jahrzehntelange Erfahrung.

Sie befinden sich hier:

Ablauf

Für die ECMO werden zwei sehr dicke Kanülen durch die Haut in die größten Venen des Körpers eingeführt, nämlich am Hals und in den Leisten. Durch die eine dieser Kanülen werden bei einem Erwachsenen etwa drei bis fünf Liter Blut pro Minute aus dem Körper herausgeleitet. An einer künstlichen Membran findet dann der Gasaustausch statt. Das von Kohlendioxid befreite und mit Sauerstoff angereicherte Blut wird danach durch die andere Kanüle wieder in den Körper zurückgepumpt.

Risiken und Nebenwirkungen

Dieses Verfahren ist mit vielen möglichen Gefahren und Nebenwirkungen verbunden:

Bereits das Einstechen der Kanülen kann, wie jeder chirurgische Eingriff, zu Blutungen und/oder Infektionen führen. Weil eine ECMO oft wochenlang nötig ist, kann man die Einstichlöcher danach nicht mehr zusammennähen. Es bleiben daher sichtbare Narben zurück.

Auch später besteht immer die Gefahr von Infektionen durch die Hautöffnungen. Deshalb ist eine strenge Einhaltung von Regeln zur Hygiene erforderlich (Kittel, Mundschutz, Kopfhaube, eventuell Handschuhe).

Eine weitere gefürchtete Nebenwirkung ist das Auftreten von Blutungen oder aber Blutgerinnseln. Durch den langen Verlauf der ECMO wird das natürliche Gerinnungssystem aus dem Gleichgewicht gebracht. Es kann dadurch zu einer verstärkten Blutgerinnung mit Thrombosen oder Embolien kommen. Auch das Gegenteil ist möglich: Eventuell gerinnt das Blut schlechter, wodurch Blutverluste an Operationswunden oder Einstichstellen entstehen können.

Die Membranlungen einer ECMO müssen gelegentlich gewechselt werden, da sie mit der Zeit nicht mehr ausreichend funktionieren. Je nach Zustand der Patienten kann ein solcher Wechsel durchaus gefährlich werden: In der kurzen Zeit des Wechsels findet keine optimale Sauerstoffversorgung mehr statt. Zudem können die auftretenden Temperaturschwankungen die Herzfunktion stören. Diese Membranwechsel werden daher ausschließlich von geübten Ärzten und Pflegekräften durchgeführt – genau wie schon der Anschluss eines Patienten an die ECMO.

Leider muss auch immer auf die Möglichkeit technischer Defekte hingewiesen werden. Bei einer ECMO kann das tödliche Folgen haben. Diese Gefahr ist äußerst gering, da die Geräte im Zentrum rund um die Uhr von Ärzten beaufsichtigt und regelmäßig von spezialiserten Technikern gewartet werden. Ganz ausschließen lässt sie sich jedoch nicht.

Dauer, Ausblick und Alternativen

Eine ECMO wird normalerweise eine bis vier Wochen verwendet. In dieser Zeit kann die Lunge entlastet und die ursächliche Erkrankung weiter behandelt werden. Es gibt keine festgelegte Obergrenze für die Dauer einer ECMO. Allerdings gilt grundsätzlich: Je länger eine ECMO dauert, desto schlechter wird die Gesamtprognose des Patienten. Leider ist also ein wochenlanger Verlauf ohne Komplikationen nicht zwingend ein gutes Zeichen.

Im ARDS ECMO Centrum kommt ein weiteres extrakorporales Verfahren zur Lungenunterstützung zum Einsatz, das im Gegensatz zur ECMO keine Pumpe benötigt: Bei der sogenannten ILA (interventional lung assist; interventionelle extrakorporale Lungenunterstützung) liegt die Kanüle, durch die das Blut des Patienten den Körper verlässt, in einer Arterie. Der Blutfluss über die Gasaustauschmembran wird also durch den Blutdruck des Patienten sichergestellt. Dieses Verfahren kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn die Lungen noch genügend Sauerstoff aufnehmen, aber nicht mehr genug Kohlendioxid abgeben können. Auch bei diesem Verfahren verfügt das Zentrum über eine jahrelange Expertise.